Archiv für Dezember 2009

Julian Nida-Rümelin: Aus dem Scheitern lernen

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Jetzt hat Cicero 01/2010 den lesens- und bedenkenswerten Beitrag von Prof. Julian Nida-Rümelin zu Bologna aus theEuropean.de aufgegriffen.

An seinen eigenen Zielen gemessen, muss der Bologna-Prozess als gescheitert gelten. Schlimmer noch: Es drohen uns akademische Monokultur, verschulte Studiengänge, soziale Rücksichtslosigkeit und geistige Verödung. Bologna muss daher tief greifend reformiert werden. Oder europaweit beerdigt.

Nicht so richtig erstaunlich, dass dieser Beitrag fast schon reflexartig in der ZEIT kritisiert wird. Auf diese Kritik braucht hier nicht weiter eingegangen zu werden: Das hat Prof. Nida-Rümelin selbst an anderer Stelle gemacht.

Viel interessanter sind die diversen (kritischen!) Kommentare zu diesem Beitrag in der ZEIT.

Bologna ist europäischer Obrigkeitsstaat. Staat und Markt haben zwei top down Demokratie Totschlag- oder Umgehungsmechanismen: Der Staat kann Gesetze, Verordnungen, Verträge machen, und alle haben sich daran zu halten und davon ausgehend Regelungen zu treffen.

Und es wird auch über den Autor des Beitrages in der ZEIT etwas geschrieben:

Moment, schreibt das alles nicht ein ehemaliger Mc Kinsey-Mitarbeiter? Einer, der beim Präsidium der Leuphana mit vielen anderen Mc-Kinseyanern zusammen gearbeitet hat? Einer, der aus der eigenen Erfahrung sehr genau wissen muss, wie “demokratisch” derartige Prozesse ablaufen? Einer, der wissen müsste, dass die Leuphana nun wirklich nicht als Jubelbeispiel taugen kann? Einer der sich für die Kommerzialisierung dieser Hochschule eingesetzt hat? Einer, der die dortige Schließung gesellschaftlich bedeutender Studiengänge begleitet hat? Einer, der genau weiß, dass die Entscheidungen regelmäßig gegen den erbitterten Widerstand der Mehrheit aus Studierendenschaft sowie zahlreichen Profs erfolgt sind? Teilw. im rechtlichen Graubereich?

Es geht halt nichts über einen schönen, erhellenden Diskurs im Internet!

//Nachtrag 11.01.2010: Dieser vorangegangene Teil meines Eintrages ist offenbar missverständlich formuliert: Der dort zitierte (exemplarische)  Hinweis mit McKinsey-Nähe etc. bezieht sich natürlich nicht auf Prof. Julian Nida-Rümelin, sondern auf den Autor des Artikels in der ZEIT, der die Kritik an Prof. Julian Nida-Rümelin geschrieben hat und der extrem stark die Leuphana als Positiv-Beispiel lobt. In dem dortigen Diskussionsforum zu dem “Nida-Rümelin-kritisierenden Artikel” werden Querbeziehung zwischen dem Autor des ZEIT-Artikels zu McKinsey und zu diversen sehr (!) problematischen Aktivitäten bei der Leuphana aufgedeckt. Deshalb ist auch zu diskutieren, ob die Leuphana tatsächlich das Positiv-Beispiel ist, als das es immer gehandelt wird.)//

Übrigens kommt die Leuphana als Positiv-Beispiel für die CHE-/HRK-Vorstellungen nicht nur in der ZEIT vor: Die Querbeziehungen zu Klaus Landfried (vgl. z.B. die JungeKarriere ) und Marion Schmidt (FTD) sind auch durchaus als existent zu bezeichnen. (Aber darauf ist ja auch in diesem Blog schon hier und da eingegangen worden).

(cs)

Überraschung: Mehr Aufwand durch Bologna

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Inzwischen hat es sich auch in der Praxis herumgesprochen, dass “Bologna” nicht so einfach läuft. Dazu berichtet das personalmagazin 01/2010, Seite 34-35, aus einer entsprechenden Studie:

Die Rekrutierung von Praktikanten ist mit der Umstellung der Studienabschlüsse von Diplom auf Bachelor und Master schwieriger geworden.

Nun, dass das so kommen würde, ist eigentlich seit 10 Jahren bekannt: Es gibt einfach weniger Zeit für Praktika während des Studiums und diverse andere Probleme …….

(cs)

Marion Schmidt (FTD) und ihre starke Hand

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Inzwischen ist ja bekannt, dass Marion Schmidt – bei G+J für die Bildung verantwortliche Redakteurin – eine bekennende Verfechterin der Initiative „pro starke Hand an deutschen Hochschulen“ ist und jeden Widerstand gegen zentralistische Steuerungssteme an Unis mit publizistischer Schärfe bekämpft.

Dass Marion Schmidt sich dabei in den Details der Bologna-Reform und der deutschen Hochschullandschaft nicht so richtig auskennt, mag man noch entschuldigen – auch wenn ihre Aussagen in einem mit ihr geführten Telefonat doch erschreckend naiv wirkten. Man mag auch entschuldigen, dass sie es sich einfach macht und weitgehend die „politische“ Position vom CHE übernimmt.

Nicht entschuldigen darf man aber, dass sie ihre Rolle bei G&J dazu nutzt, ihre persönliche (!) Meinung durch Unterdrückung von Überlegungen, die in eine andere Richtung gehen, durchsetzt.

Der konkrete Hintergrund: Ein bei der FTD eingereichter Gastkommentar zur Vereinigung der Hochschulrektoren (HRK) wurde zunächst von Ruth Fend als der dafür offenbar zuständigen Redakteurin akzeptiert („Danke für den bearbeiteten Text, wir werden ihn im Laufe der Woche drucken.“).

Doch dann schritt Marion Schmidt ein und der Artikel wurde abgelehnt, unter anderem mit der Begründung der „nicht zutreffenden Verknüpfung zwischen Bologna-Reform und einer Machterweiterung der HRK“.

Hier sind nun einmal – und das ist natürlich Pech für Marion Schmidt – die Fakten eindeutig: Wer es nicht glaubt, braucht sich nur die letzten Medienauftritte der HRK anzuschauen (alle zum Thema „Bologna“) oder in der Organisation der HRK zu zählen, wie viele Personen laut Homepage mit Bologna befasst  und vielleicht sogar von Steuergeldern finanziert sind.

Wenn Marion Schmidt diese Verbindung als nicht-existent ansieht, gibt es dafür mehrere Erklärungen, die alle wenig schmeichelhaft für Marion Schmidt sind.

Schade ist nur, dass ich kein Abonnement mehr bei der Financial Times Deutschland habe: Nach diesem Vorfall hätte ich es gekündigt. Aber vielleicht finde ich ja noch ein anderes Abo aus dem G+J-Konzern, das ich aus Protest gegen Marion Schmidt kündigen kann.

(cs)